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im bann der lilie - das letzte geheimnis Carol Grayson

im bann der lilie - das letzte geheimnis

Carol Grayson

Published January 12th 2013
ISBN :
Kindle Edition
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 About the Book 

Die verzögerte vollständige Wandlung von Silvio zum Vampir hat Auswirkungen auf dessen Charakter. Er lehnt den Ehrenkodex der Vampire ab und will seine eigenen Wege gehen, während Marcel Saint-Jacques von Napoleon eine neue Heimat angeboten bekommt.MoreDie verzögerte vollständige Wandlung von Silvio zum Vampir hat Auswirkungen auf dessen Charakter. Er lehnt den Ehrenkodex der Vampire ab und will seine eigenen Wege gehen, während Marcel Saint-Jacques von Napoleon eine neue Heimat angeboten bekommt. Doch der Chevalier wird vom Marquis de Montespan weiterhin verfolgt. Als dieser erkennt, dass Marcels Herz immer noch an Silvio hängt, verrät er Marcel das letzte Geheimnis der Lilienringe.Leseprobe:Der schwere Baumwollumhang hing regendurchtränkt um den Körper des Mannes und schmiegte sich weit bis über die Kruppe des Pferdes. Der stetige Nieselregen hatte das Kopfsteinpflaster in eine rutschige Fläche verwandelt, und der kleine Berberhengst mit Namen Domino vermochte seinen Reiter nunmehr nur noch im Trab durch die engen Gassen der Hafenstadt Le Havre zu tragen. Trotzdem glitt das stämmige graue Pferd hin und wieder aus, kämpfte sich jedoch mit seinem Herrn durch die Nacht. Der Atem des Grauschimmels ging heftig, und sein vom Schweiß und Regen durchtränktes Fell dampfte in der Nacht, sodass ein Hauch von Nebel von Reiter und Pferd ausging, als würde ein Geist sich unaufhaltsam dem Hafen nähern. Dieser Eindruck verstärkte sich noch durch den tief ins Gesicht gezogenen Hut des Mannes. Darunter glühten schwarze Augen voller Zorn und Empörung, in deren Tiefen es purpurn schimmerte. Ein Betrunkener, der aus einer Spelunke taumelte, bekreuzigte sich rasch, als er dieses Anblicks gewahr wurde, und schickte ein Stoßgebet zur Gottesmutter Maria. Er glaubte, dem Leibhaftigen persönlich gegenüber zu stehen.Marcel Saint-Jacques hatte seinen Hengst vom Anwesen des Engländers Townsend bis in die Stadt im Galopp getrieben. Wieder einmal bereute er es nicht, den kräftigen, kleinen Berber auf dem Pferdemarkt gekauft zu haben. Seine Gedanken waren ganz bei Silvio. Das gerade Geschehene, das brennende Gartenhaus, der Tod des Marquis – all das waren Nebensächlichkeiten.Je näher er dem Hafen kam, desto mehr ließ seine Anspannung nach. Er erkannte, dass der Regen durchaus auch Vorteile mit sich brachte: Er würde das Auslaufen der ersten Handelsschiffe am frühen Morgen verzögern. Außerdem war es fast windstill. So stieg die Aussicht auf Rettung seines geliebten Freundes. Von weitem konnte Marcel bereits die hohen Masten der Segler erkennen, deren hölzerne Leiber sacht an der Kaimauer dümpelten. Nur das Klatschen des Meerwassers an den groben Steinen war zu hören und ab und zu das feine Echo einer Schiffsglocke, die der Regen zum Klingen brachte. Kein Rufen, kein Lebenszeichen, keine Befehle. In dieser Nacht blieb jeder Mensch lieber im Trockenen.Im Schritt ging es an den menschenleeren Schiffen vorbei, nur vereinzelt war das goldene Licht einer Wachlaterne zu erkennen. Das Fell des Schimmels war durch die Nässe bereits schwarz, nur in seinen Nüstern schimmerte es blutrot vor Anstrengung. Die eisenbeschlagenen Hufe hinterließen einen schrillen Klang auf dem Kopfsteinpflaster. So patrouillierte er mit seinem Reiter auf dem Rücken unverdrossen durch die in geraden Schnüren fallende Regenwand, passierte Bordwand für Bordwand. Marcel hielt den Hengst ab und zu an, horchte in sich hinein. Auf ein Lebenszeichen seines Gefährten. Einen Gedanken, einen leisen Ruf. Nichts. Vielleicht waren seine Sinne immer noch vom Weihrauch umnebelt. Mit klammen Fingern vergewisserte er sich, dass er den geweihten Ring für Silvio, den Townsend ihm zurückgegeben hatte, immer noch in seinem Hemd trug. Doch auch das war keine Beruhigung.